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Methoden · No. I

Wero: Zwei Jahre nach dem Start als Paydirekt- und Giropay-Nachfolger

Die European Payments Initiative hat ihren A2A-Dienst Wero in mehreren Wellen ausgerollt. Eine Zwischenbilanz der Architektur, der Verbreitung und des Vergleichs zur Schweizer Twint.

Mit der Einführung von Wero im Jahr 2024 hat die European Payments Initiative (EPI) den Versuch unternommen, zwei deutsche Bezahl-Marken in einem europäischen Konstrukt aufzulösen. Paydirekt, der von den deutschen Banken seit 2015 betriebene Versuch eines PayPal-Konkurrenten, ist im Verlauf des Jahres 2024 schrittweise abgeschaltet worden. Giropay, das seit 2006 als Banking-basierter Online-Bezahl-Standard fungiert hatte, ist am 31. Dezember 2024 endgültig eingestellt worden. Wero soll beides ersetzen und darüber hinaus eine europäische Antwort auf die Marktdominanz von Visa und Mastercard liefern.

Die Gründung der EPI und die Architektur von Wero

Die European Payments Initiative wurde 2020 als Konsortium von zunächst 16 europäischen Banken gegründet, darunter aus Deutschland die Commerzbank, die Deutsche Bank, die DZ Bank, die ING DiBa, die Postbank und die Sparkassen-Finanzgruppe. Aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden traten weitere Großbanken bei. Hintergrund war die politische Diagnose, dass der europäische Zahlungs-Verkehr zunehmend von außer-europäischen Anbietern dominiert werde — von Visa und Mastercard bei den Karten, von PayPal im E-Commerce, von Apple und Google bei den mobilen Wallets.

Die technische Architektur von Wero unterscheidet sich grundlegend von Paydirekt. Wero arbeitet als Account-to-Account-Payment (A2A) auf der Infrastruktur der SEPA Instant Payments, die seit 2017 verfügbar sind und eine Gut-Schrift binnen maximal zehn Sekunden garantieren. Es gibt keinen klassischen Karten-Schemen, keine Zwischen-Forderung des Anbieters und keinen Acquirer im engeren Sinn — Wero ist im Kern eine standardisierte Anweisungs-Schicht, die zwei SEPA-Konten direkt miteinander verbindet.

Der Roll-out in Wellen

Wero wurde in drei Wellen ausgerollt. Im Juli 2024 startete der Peer-to-Peer-Verkehr; Nutzerinnen und Nutzer der teilnehmenden Banken konnten in deren Online-Banking-Apps untereinander Geld senden, mit Mobilnummer oder E-Mail-Adresse als Identifikator. Anfang 2025 folgte die E-Commerce-Welle, in der Wero als Checkout-Option neben PayPal, Klarna und Karten-Zahlung auftauchte. Die dritte Welle, die Integration in das stationäre Kassen-System über QR-Code und NFC, ist für 2026 angekündigt; einzelne Pilot-Projekte mit deutschen Lebensmittel-Handels-Ketten und französischen Einzelhandels-Verbänden laufen.

Die Verbreitung verläuft holpriger als zunächst kommuniziert. Die Sparkassen-Finanzgruppe hat den Roll-out im Frühjahr 2025 mit einer breit angelegten Kommunikations-Kampagne flankiert; die Volks- und Raiffeisenbanken folgten im Sommer. Die Deutsche Bank und die Postbank haben ihre Wero-Funktion im laufenden Jahr 2026 nachgezogen, nachdem zunächst technische Migrations-Themen die Anbindung verzögert hatten.

Vergleich zur Schweizer Twint

Der naheliegende Vergleichs-Maßstab für Wero ist Twint, der Schweizer A2A-Dienst, der seit 2017 als Konsortium der wichtigsten Schweizer Banken und der PostFinance betrieben wird. Twint hat in der Schweiz inzwischen mehr als fünf Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer und ist im Einzelhandel, im öffentlichen Verkehr und im Peer-to-Peer-Bereich tief verankert. Die wesentliche Stärke von Twint ist die enge Verzahnung mit den Banking-Apps und die Tatsache, dass die Schweizer Banken-Landschaft konzentriert genug ist, um einen koordinierten Roll-out durchzuführen.

Wero steht vor der ungleich komplexeren Aufgabe, dieselbe Verbreitung in einem fragmentierten europäischen Banken-Markt zu erreichen. Die EPI hat im Frühjahr 2026 angekündigt, weitere Banken aus Italien und Spanien aufzunehmen; eine direkte Anbindung an die portugiesische MB Way wird geprüft. Ob Wero den Anspruch einer paneuropäischen Marke einlösen kann oder ob sich die regionale Fragmentierung verfestigt, wird sich in den nächsten 18 bis 24 Monaten am POS-Roll-out entscheiden.

Zwischenbilanz

Wero ist kein Paydirekt-Reboot, sondern eine technisch sauber gebaute A2A-Schicht auf Basis von SEPA Instant Payments. Die Frage ist nicht, ob die Technik trägt — sie tut es — sondern, ob das politisch motivierte Konsortial-Modell die Geschwindigkeit erreicht, die ein vom US-Wettbewerb dominierter Markt verlangt.


Ressort: Methoden